BvFF Bundesverband Freiberuflicher Forstsachverständiger e.V.
Modell der Beförsterung

Kommunalisierung der Waldbewirtschaftung - Optionen und Wege
Modell der Beförsterung durch freie Anbieter

Referat im Rahmen der IKU-Fachtagung am 31.01.2001 in Wiesbaden
gehalten von Berwig Hitzer, Würzburg

1. Einleitung

Meine sehr verehrten Damen und Herren, mit dem Ende der staatlichen Beförsterungspflicht in Hessen wird mancher auch für den Kommunalwald Verantwortliche das Gefühl haben, 200 Jahre gewachsene deutsche Forstwirtschaft werden zerschlagen. Die Bedenken gegen eine Liberalisierung der Beförsterung sind nicht etwas typisch Hessisches, sie sind bundesweit zu beobachten und sie sind nach meiner Erfahrung in zwei Kategorien aufzuteilen:

In der ersten Kategorie sehen sich die Betroffenen plötzlich ungewohntem Wettbewerb ausgesetzt, mit den daraus resultierenden Ängsten um den eigenen, aber auch fremden Arbeitsplatz.

Die zweite Kategorie wird geprägt vom nicht wissen, was die neue Regelung bringt; es ist also die Frage beantworten, wer das nach wie vor bestehende Arbeitspensum zur Zufriedenheit und sachgerecht erledigen kann.
Für die waldbesitzende Kommune kann vernünftiger und fairer Wettbewerb im Forstdienstleistungssektor nur Vorteile bringen, fairer Wettbewerb gehört zu unserem Wirtschaftssystem; in Zukunft dürfte sich durch den Wettbewerb verschiedener Anbieter so manches Problem von selbst lösen: So wäre von der Kommune nur das Wissen oder die Leistung zuzukaufen, die sie auch tatsächlich benötigt - und das vom leistungsfähigsten Wettbewerber. Damit verbunden sind Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen aufgrund der alten Erfahrung "Wettbewerb belebt das Geschäft". Das forstliche Wirtschaftsergebnis kann in aller Regel verbessert werden - was man unter anderem mit mehr Wettbewerb erreicht.

Aus dem zweiten Problemkreis heraus ist zu klären, ob es denn neben der bisherigen Landesforstorganisation überhaupt genügend sachkundige, qualifizierte Anbieter von Forstdienstleistungen gibt, die die Kommunen in die Lage versetzen, die vom Gesetzgeber geschaffenen Freiheiten zu nutzen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich bin davon überzeugt, daß es genügend qualifizierte nichtstaatliche Anbieter gibt. Das Angebot wird sich in Zukunft noch vergrößern. Mein Referat soll sich mit einer Anbietergruppe befassen - es ist dies die der freiberuflich tätigen Forstsachverständigen.

2. Das Leistungsangebot Freiberuflicher Forstsachverständiger:

Sie finden eine ausführliche Liste der Aufgabengebiete in Ihren Tagungsunterlagen. Aus Zeitgründen hier nur einige Beispiele

    Zustandserfassung, Erfolgskontrolle und Planung , dazu gehören:

    - Forstwirtschaftspläne
    - Forstbetriebsgutachten
    - Forstinventuren
    - Standortkartierung
    - Walderschließung
    - Forstvermessung - forstliche Kartographie
    - Vegetationsgutachten - Biotopkartierung - Waldfunktionskartierung
    - Erstaufforstungsplanung
    - Wald- und Bodenkataster

    Ein weiteres Aufgabengebiet sind

    Betriebsleitung und Betriebsberatung

    - Betriebsleitung und -ausführung
    - Controlling
    - Betriebsanalysen, Kosten-/Nutzenanalysen, Arbeitsvolumen- und -kapazitätsplanungen
    - Erarbeitung von Betriebs- und Organisationskonzepten

    Bewertungen

    - Waldbewertungen (auch ganzer Forstbetriebe: es sind dann forstliche Unternehmensbewertungen) und Ermittlung von Entschädigungswerten bei
    ===> Ankauf - Verkauf - Tausch - Teilung
    ===> Enteignung (z.B. Straßenbau) - Entschädigung

    - Nutzungsrechteablösungen (auch Umwandlung oder Festmessung)
    auf öffentlich-rechtlicher und privatrechtlicher Grundlage
    - Waldflurbereinigungen

    - Waldschadensbewertungen
    ===> - Schäden - Sturm - Feuer - Immissionen - Randschäden - Holzdiebstahl

    - Wild- und Jagdschaden
    ===>- Verbißschaden - Schälschaden - Jagdwertminderung

    - Bewertung von Einzelbäumen
    ===> - Einzelbäume - Hecken - Ziergehölze - Obstgehölze

    Spezialgutachten

    - Stand- und Bruchsicherheitsgutachten bei Bäumen

    - Ökologische Fachgutachten (Naturschutz - Umweltverträglichkeitsprüfung)

    - Landespflegerischer Begleitplan

    - CIR - Bildauswertung

    EDV - Anwendung im Forstbetrieb

    - Unterstützung bei der EDV-Einführung und -Anwendung
    - Erstellung von anwendungsspezifischer forstlicher Software
    - Einführung oder Anbindung an Holzbörsen
    - Erstellung und Pflege von computergestützten GIS

3. Was sind Freiberufliche Forstsachverständige ?

Meine Damen und Herren, wer kennt sie nicht - die Freien Berufe?! Da wäre beispielhaft der Arzt oder Rechtsanwalt zu nennen, die ihren Patienten oder Mandanten meist in höchst problematischen Phasen beistehen müssen. Korrekt ausgedrückt, definieren sich Freie Berufe so: Auf Grund besonderer beruflicher Qualifikation und Kompetenz erbringen die Angehörigen Freier Berufe persönlich, eigenverantwortlich und fachlich unabhängig geistig-ideelle Leistungen im Interesse ihrer Auftraggeber und der Allgemeinheit. Freie Berufe stehen in einem dualen, häufig auf Dauer angelegten, psychosozialen Vertrauensverhältnis zu ihren Mandanten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, was generell für alle Freien Berufe gilt, gilt auch für die freiberuflich tätigen Forstsachverständigen: Die Kommunen Hessens finden daher in den Freiberuflichen Forstsachverständigen einen unternehmerisch ausgerichtet denkenden, qualifizierten und kompetenten Partner. Entsprechend den Eigentümerinteressen bringen sie Ökonomie und Ökologie zusammen. Sie stehen Ihnen dann zur Verfügung, wenn sie Rat und Unterstützung brauchen - eben in den bereits oben genannten problematischen Phasen.

Die Mitglieder des BvFF haben ein forstl. Hochschulstudium und die Große Forstl. Staatsprüfung oder eine gleichwertige Ausbildung absolviert, besitzen also die Betriebsleiterqualifikation. Sie haben in der Regel eine langjährige Praxiserfahrung. Darüber hinaus sind viele Forstsachverständige für bestimmte Fachgebiete öffentlich bestellt und vereidigt.

4. Auswahl und Suche Freiberuflicher Forstsachverständiger

Freiberufliche Forstsachverständige zeichnen sich aus durch Qualifikation, Unabhängigkeit und Kompetenz in Verbindung mit den Möglichkeiten, die ein besonderes Vertrauensverhältnis bieten. Vorteilhaft ist auch der breite Überblick, den der Freiberufl. Forstsachverständige aufgrund der vielfältigen Arbeitsorte und Arbeitsgebiete erfahren hat. Ihren Tagungsunterlagen ist ein Verzeichnis der im BvFF zusammengeschlossenen Freiberuflichen Forstsachverständigen beigelegt. Darüber hinaus werden wir demnächst auch im Internet zu finden sein. Selbstverständlich können Sie sich auch an die Verbandsführung wenden, wir sind gerne bei der Auswahl eines Forstsachverständigen in Ihrer Nähe behilflich.

5. Sachkunde und Unabhängigkeit

Nach meiner festen Überzeugung überwiegen bei weitem die positiven Chancen, die mit der Abschaffung der staatl. Beförsterungspflicht verbunden sind. Aber ich möchte die Risiken, die mit der Auswahl eines neuen oder anderen Forstdienstleisters verbunden sind, nicht verschweigen. Jeder weiß, die eierlegende Wollmichsau gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, daß die auftraggebende Kommune gleich zu Anfang ihre Wünsche und Ziele umreißt. Es wird dann rechtzeitig klar, ob der Dienstleister auch die nötige Kompetenz mitbringt, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Entsprechend klare vertragliche Vereinbarungen sind hier unabdingbar, sie beginnen bei einer klaren
Leistungsbeschreibung . Die Risiken sind überschaubar, da üblicherweise derartige Verträge sorgsam verhandelt und nicht auf Lebenszeit
geschlossen werden.

Ein grundsätzlicher Hinweis scheint mir in diesem Zusammenhang wichtig:
Generell, so meine ich, sollte der Waldbesitzer den für die jeweilige Teilarbeit geeigneten und unabhängigen Dienstleister engagieren. Die Produkte Forsteinrichtung, Betriebsleitung, Beförsterung bis zum Holzeinschlag und vielleicht noch Holzverkauf - alle aus einer Dienstleistungshand sind kaum sinnvoll. Bei derartigen Strukturen ist nämlich die Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit des Dienstleisters zum Nachteil des Auftraggebers in Gefahr. Die Komplexität forstlicher Dienstleistungen geben in solchen Fällen Anlaß zu Verdächtigungen oder üblem Gerede, selbst wenn -objektiv gesehen- überhaupt kein Anlaß dazu besteht.

6. Kosten im Rahmen fairen Wettbewerbs

Eine vernünftige Vergütungsregelung für forstl. Dienstleistungen sichert fairen und funktionierenden Wettbewerb. Fehlt
eine auskömmliche Vergütungsregelung, wird es bei den wettbewerbsverzerrenden und daher wettbewerbsschädlichen
Strukturen bleiben.

7. Chancen, Ausblick

Die für die Hessischen Kommunen neu geschaffene Möglichkeit, die eigenen Waldungen durch Forstdienstleister ihrer Wahl beförstern zu lassen, stellt also eine große Chance dar. Die Bewirtschaftung des Kommunalwaldeigentums kann so optimal und gewinnbringend gestaltet werden. Nicht Neckermann, aber vernünftiger, d. h. fairer Wettbewerb macht's möglich! Klar ist, daß alle verantwortlichen Akteure Veränderungen hinzunehmen bereit sein müssen; so mancher alter Zopf wird abgeschnitten werden müssen. Man wird moderne Controllingmethoden akzeptieren müssen, verbunden mit der Abkehr von der Kameralistik. Und man wird auch auf das nun bereits sehr alte Försterbild abhängen müssen: Der allzeit dienstbereite und jeden Stecken kennende Förster ist im Sinne der heutigen Aufgaben unnötig und viel zu teuer. Wir müssen weg von der alttypischen, flächenpräsenten Forstverwaltung hin zur kreativen, umweltbewußten und ökonomisch sinnvollen Wirtschaftsführung.

In einigen anderen Bundesländern eröffnet das Landeswaldgesetz schon länger die Möglichkeit, zwischen dem privaten Anbieter forstlicher Dienstleistungen, der Landesforstverwaltung und der Eigenbewirtschaftung zu wählen; man möchte auf diese Auwahlmöglichkeit auch nicht mehr verzichten.

Im Rahmen einer Beratung und Analyse der bestehenden örtlichen Verhältnisse können Ihnen die Freiberuflichen Forstsachverständigen behilflich sein, das für Ihre Kommune richtige Bewirtschaftungskonzept zu finden. Später stehen Sie Ihnen als wirksame Controller zur Verfügung. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Freiberufliche Forstsachverständige. Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und beantworte nun gerne Ihre Fragen!

[ nach oben ]